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Konrad: 318i



Hallo E30 Freunde,

Die Basis meines E30 ist ein 88er 318i M40 in zinnoberrot,  gekauft aus 1. Hand  mit 97000 km und lückenlosem BMW Scheckheft. Der Kontakt kam über eine Kundin zustande, dessen Mutter altersbedingt den Führerschein abgegeben hatte. Sie erzählte mir, dass es ein älterer 3er BMW wäre und wo man sowas am besten verkaufen / losbekommen könne. Leider konnte Sie nicht mehr sagen, als dass es ein 3er aus den 80er Jahren wäre und dass er rot sei.

Kurzum wurde der BMW im gut 200km entfernten Coburg besichtigt. Ein roter NFL 318i im Serienzustand mit unwiederstehlichen Stahlfelgen mit Radkappen. Aufgrund der engen Garage und des hohen Alters der Besitzerin waren an den Radläufen hinten sowie den Kotflügeln vorne und an der Fahrertüre leichte Beschädigungen. Diese Blessuren wurden nur notdürftig ausgebessert und über die Jahre hatte der Rostfraß dort leichtes Spiel.
 
Ansonsten hat die Karosseriebasis absolut überzeugt. Abgesehen von den typischen Stellen an den Kotflügeln vorne unten und der Abschlepphakenumrandung hinten war er in sehr gutem und 100% rostfreiem Zustand. Die Sitze wurden Zeitlebens von Lammfell-Sitzbezügen geschont und präsentierten sich nach dessen Entfernung in absolut neuwertigem Zustand.
 
Erstmal war aber die Karosserie dran. Eine neue Fahrertür hatte ich noch aus Restbeständen eines BMW Lagers zu Hause, die Radläufe hinten mussten neu aufgebaut werden und die beiden Kotflügel wurden auch erneuert. Da die Lackierung im 2-Schichtlack erfolgte, musste auch der Rest in Originalfarbe mit Klarlack nachlackiert werden muss. Und wenn schon lackiert wird, war der Entschluss auch gleich gefasst, das M-Technik 2 Paket mit Neuteilen nachzurüsten – soweit damals verfügbar. Nicht lieferbar war zum damaligen Zeitpunkt die Heckschürze sowie die Seitenbeplankung für die Türe hinten rechts. Diese wurde aus einer neuen vorderen Beplankung gefertigt und die Heckschürze gebraucht bezogen. Lediglich der Heckspoiler vom M-Packet gefiel mir nicht – deshalb gab es den vom Original BMW E30 Aerodynamikpacket – da dieser dem M-Heckspoiler von der Form her am Nächsten kam. Selbstverständlich musste auch ein neues M-Technik 2 Lenkrad, ein neuer M-Schaltknauf sowie neue M-Einstiegsleisten verbaut werden. Auch das Shadowline-Packet mit passender elektrischer Shadowline Antenne wurde verbaut  – auch diese Teile waren bei BMW noch neu erhältlich. Dann waren die Karosseriearbeiten abgeschlossen.


 
Um das Werk zu vollenden, wurden noch neue originalverpackte Alpina Classic Felgen der Dimension 7x16 und 8x16 verbaut. Das Fahrwerk bekam eine H&R Tieferlegung von 40/35 mit +10mm Federunterlangen hinten. Technisch wurde aus einem Schlacht-E30 die komplette Klimaanlage nachgerüstet. Der Vorteil gegenüber der Nachrüst-Klima ist, dass alle Halterungen und die Kabelbaumverlegung genau wie ab Werk verlegt werden konnte. Der Kondensator sowie die Klimalleitungen dahin wurden neu verbaut.





Auch das BMW Hifisystem wurde komplett originalgetreu nachgerüstet. Den Kabelbaum sowie die Hochtöner dafür gab es bei BMW wiederum noch neu. Als Headunit ist das Business RDS vom BMW E36 im Einsatz inkl BMW 6-Fach CD-Wechsler. Das in der Hutablage versenkte BMW Sonnenrollo wurde wiederum gebraucht nachgerüstet. Ich hatte es eher zufällig in der passenden Hutablagenfarbe gefunden.

Als Nachschalldämpfer ist ein Supersprint Magnum mit 2x90mm im Einsatz. Er passt perfekt in die M-Technik Aussparung. 
 
 
  
Nun war mir nur noch der klapprige M40 Motor ein Dorn im Auge. Die Überlegungen, einen 6-Zylinder-Umbau zu starten, verwarf ich wieder, da mein E30 im Original nun mal ein 4-Zylinder  war. Also muss der 4-Zylinder so stark wie möglich gemacht werden. Aber auch die Haltbarkeit  musste gewährleistet sein. Also wird es ein M44 Block (wegen der  Kolbenbodenkühlung...) mit 88mm Kurbelwelle und 85er Bohrung werden. Der Rest kommt vom M42. Von Dbilas werden 262 Grad Nockenwellen verbaut und die Einzeldrosselanlage. Nach kurzer Suche wird mir auch ein passendes Eprom für die Hubraumerhöhung auf 1996 ccm,  Verdichtung von 11,4 und Drehzahlbegrenzung bei 7500 U/min mit passender Abstimmung auf die Nockenwellen und der Einzeldrosselanlage von Dbilas geschrieben werden. Es wird bewusst die Bohrung nicht noch größer gewählt, die Drehzahl nicht noch weiter angehoben, und nicht noch schärfere Nockenwellen verwendet, damit noch ein gewisses Maß an Standfestigkeit und Laufkultur gewährt ist.


 
Die Diesel-Kurbelwelle vom M47 Motor ist am Stumpf um einen halben Millimeter abgeschliffen. Somit passt das originale M42 Kettenrad drauf. Da die Kurbelwelle auch sehr schwer ist, wird sie um 4,5 kg erleichtert und feingewuchtet. Als Pleuel kommen Hondapleuel mit 138mm Länge zum Einsatz – auch diese erleichtert und aufs Gramm genau angeglichen. Das obere Pleuelauge muss für den Kolbenbolzen von 21mm auf 22 mm aufgebohrt werden. Die Kolben kommen vom M44 und werden mit einer Leichtlaufbeschichtung versehen und vom Gewicht her auch angeglichen. Aufgrund des weiteren Kolbenweges nach unten müssen am Kolben Ausfräßungen für die Ölspritzdüsen der Kolbenbodenkühlung vorgenommen werden. Vom Block werden 0,3mm weggenommen. Der M42 Kopf wird an den Einlasskanälen bearbeitet und am Übergang von der Einzeldrossel geglättet. Um keine stärkeren Ventilfedern  zu den Nockenwellen verbauen  zu müssen, sind die Ventile erleichtert worden. Damit sind die Leistungsverluste der stärkeren Federn umgangen. Das Schwungrad wurde auch geplant und erleichtert und mit der Druckplatte feingewuchtet.
 
Das Minimalziel sind 170 PS und 200 Nm – ein Traum wären 190 PS und 220 Nm. Leider weist der Testmotor nach ca 60km einen Pleuellagerschaden am 3. Zylinder auf. Ursache war wohl ein Metallspan, der sich bei der Bearbeitung des Blockes noch irgendwo festgesetzt hatte. Die letztendlich erreichten Leistungsdaten werden nach der Instandsetzung und absolvierter  Einlaufphase nachgereicht. Hierzu wird dann auch ein detaillierter Umbaubericht mit Fotos nachgereicht.
 
Und nun die unausweichliche Frage: Warum der Aufwand für eiinen 4-Zylinder Motor? Der E30 bleibt original ein 4 Zylinder, und es gibt noch nicht viele dieser Art. Und gerade weil es so wenig davon gibt, reizt es mich, es hinzubekommen. Je älter die E30 werden, um so mehr Wert wird wieder auf Originaliät gelegt und theoretisch kann dieser Umbau auf Basis des serienmäßigen M40 Block durchgeführt werden. Da ich jedoch Kolbenbodenkühlung haben wollte und meinen originalen M40 Motor aufheben will, wurde es halt der M44 Block.
   
Viele Grüße
 
Konrad