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Servolenkgetriebe abdichten

Diese Anleitung kann man analog auch für das E36-Lenkgetriebe verwenden.

Lenkgetriebe bei denen die Manschetten durch Marderbiss o. ä. über einen längeren Zeitraum beschädigt waren weisen meist an der Zahnstange Oberflächenrost auf. Solche Lenkgetriebe lassen sich nicht dauerhaft abdichten. Deshalb vorher auf der Bühne genau nachschauen.

Bei Airbagfahrzeugen die Batterie abklemmen.

Als Ersatzteile werden der Dichtungssatz und der Anbauteilesatz benötigt. Der Anbauteilesatz enthält die Führungsbuchsen der Zahnstange, den Sicherungsring, die Einlegeplatte des Druckstücks, das Zentriergummi, die Sicherungsmutter der Lenkspindel und die Schutzkappe.

Weiterhin werden benötigt:

2 x Sicherungsbleche für die Spurstangen    32 11 1 124 540 - 0,13 €
1 x M 8 selbstsichernde Mutter für Kreuzgelenk   07 12 9 946 400 � 0,17 €
2 x M 10 selbstsichernde Mutter für Lenkgetriebebefestigung 07 12 9 964 672 � 0,17 €
2 x Dichtring A 16 x 22 ALMG     32 41 1 129 988 � 0,06 €
2 x Dichtring A 14 x 20 ALMG     32 41 1 129 986 � 0,07 €
4 x Spannband für Manschette     32 11 1 126 568 � 1,13 €

Für die Spannbänder kann man ersatzweise auch breite Kabelbinder verwenden.

Benötigtes Werkzeug:

Hammer und Meißel
Maulschlüssel SW 30 / SW32
Maul- und Ringschlüssel SW 13
Maul- und Ringschlüssel SW 15 oder Nusskasten
Maul- und Ringschlüssel SW 17
Maul- und Ringschlüssel SW 19
Zange für Innensicherungen gerade ? 35 mm - ? 45 mm
Offener Ringschlüssel SW 12
Messschieber oder Tiefenmaß
2 x Schlitzschraubendreher 4 -5 mm
Durchschlag, Austreiber o. ä.

Den Ausbau werde ich im einzelnen nicht weiter beschreiben, nur soviel dazu dass bei Wiedereinbau des selben Lenkgetriebes, nur die Spurstangen direkt am Lenkgetriebe demontiert werden müssen, die radseitigen Kugelköpfe können dran bleiben. Also, zuerst auf die Bühne heben oder auf der Grube aufbocken, die Spannbänder von beiden Manschetten entfernen, Manschetten zur Radseite hin auf der Spurstange zurückziehen. Sicherungsbleche mit einem schlanken Meißel aufbiegen und Spurstange mit Maulschlüssel SW 30 abschrauben und zur Seite weg drehen.
Das entfernen der Lenksäule geht am einfachsten bei Airbagfahrzeugen. Hier wird die linke untere Verkleidung der Instrumententafel entfernt und die Stoppmutter der Lenksäule ca. 2 Umdrehungen gelöst. Jetzt kann die Spannschraube vom Kreuzgelenk entfernt und die Lenksäule zurückgeschoben werden. Vor Demontage der Lenksäule das Lenkrad in Mittelstellung bringen und durch abziehen des Zündschlüssels arretieren.

Vor Ausbau des Lenkgetriebes aus dem Fahrzeug bei arretiertem Lenkrad, in Mittelstellung die Zahnstange mit Messschieber oder Tiefenmaß auf Mittelstellung prüfen. Ist alles o. k. kann später auf eine Spureinstellung verzichtet werden. Wenn nicht wird bei der Montage eine Verschiebung eintreten und das Lenkrad steht dann beim Fahren schief dass kann man nur vernünftig auf dem Prüfstand einstellen, keinesfalls aber durch einfaches umsetzen des Lenkrades.
Bei Einstellung durch Umsetzung des Lenkrades steht der Steuerzylinder im Lenkgetriebe später nicht mehr in der Mittelposition, also in der für die Servopumpe entlastenden Stellung, sondern auf Druck. Das kann zur Folge haben, da die Servopumpe jetzt ständig Druck aufbauen muss dass sich deren Lebensdauer stark verkürzt und die Lenkung in Mittelstellung unpräzise geführt wird.

 

Wenn das Lenkgetriebe ausgebaut ist, vor der Demontage Zahnstange auf Mitte einstellen, die Lenkspindel gegenüber dem Gehäuse markieren und das Maß notieren. Die beiden Druckleitungen abbauen und die kleinen O-Ringe aus den Gehäusebohrungen entfernen. Die Leckölleitung vorsichtig aus dem Gehäuse hebeln und die O-Ringe entfernen.

 

Den Deckel mit den 8er Schrauben vom Zahnstangengehäuse entfernen, O-Ring, Feder und Druckstück entnehmen.
Es gibt auch Lenkgetriebe die an Stelle dieses Deckels eine Stellschraube (wie beim E 36) besitzen (ich habe ein solches).
Diese Stellschraube und Gehäuse mit dem Körner markieren., Einbautiefe in das Gehäuse mit Tiefenmaß messen und das Maß notieren.
Die Stellschraube lösen, O-Ring, Feder und Druckstück entnehmen
 

 

Die Plastikschutzkappe oben von der Lenkspindel abziehen, Verschlusskappe unten aus dem Lenkspindelgehäuse entfernen.

 

Die Sicherungsmutter SW 17 unten von der Lenkspindel entfernen, dazu die Lenkspindel oben am 2-Kant gegenhalten.
 

 

Den Sicherungsring der Lenkspindel nach oben mit einer Innensicherungsringzange ausheben.

Jetzt kann die Lenksäule nach oben heraus gezogen werden.

Die Zahnstange ganz nach links schieben und Sicherungsring der Zahnstange durch die Bohrung der Leckölleitung mit einem Flachschraubendreher aushebeln. Drauf achten dass die offene Seite des Sicherungsringes gegenüber der Bohrung steht und dass beim hebeln durch die Bohrung diese nicht beschädigt wird.

 
 

Die Zahnstange mit der Lagerbuchse nach rechts aus dem Gehäuse entnehmen.

Radialwellendichtring und Kunststoffbuchse von der linken Seite aus nach rechts aus dem Gehäuse treiben, dabei das Gehäuse nicht beschädigen.

Das Gehäuse innen reinigen und neuen Radialwellendichtring (offene Seite nach rechts) sowie neue Kunststoffbuchse wieder einbauen. Den Radialwellendichtring zwischen Dichtlippe und Staublippe mit Fett füllen und die Kunststoffbuchse in der Bohrung mit Servoöl benetzen.

Das Führungslager der Lenkspindel nach unten aus dem Gehäuse treiben, dadurch wird der Radialwellendichtring besser zugänglich. Den Radialwellendichtring der Lenkspindel nach oben aus dem Gehäuse treiben, dabei die Zylinderbohrung nicht beschädigen.

 

Die Lagerbuchse rechts von der Zahnstange nehmen, Radialwellendichtring, Kunststoffbuchse und O-Ring auswechseln. O-Ring vor der Montage mit Servoöl benetzen und den Radialwellendichtring zwischen Dichtlippe und Staublippe mit Fett füllen.

Den O-Ring und Kolbenring der Zahnstange erneuern (O-Ring und Kolbenring befinden sich in einer Nut übereinander). Diese beiden Ringe lassen sich mit einem kleinen Flachschraubendreher aushebeln. Den O-Ring vor der Montage mit Servoöl benetzen

Die Lagerbuchse von der Lenkspindel abnehmen und den Radialwellendichtring mit Wälzlager austreiben. Radialwellendichtring (offene Seite nach innen) und O-Ring ersetzen. Den Radialwellendichtring zwischen Dichtlippe und Staublippe mit Fett füllen und den O-Ring vor der Montage mit Servoöl benetzen.

Die 4 Kobenringe und die O-Ringe der Lenkspindel erneuern. Darauf achten dass die Kolbenringe richtig in den Nuten sitzen. Die O-Ringe vor der Montage mit Servoöl benetzen
 

 

Den Radialwellendichtring (offene Seite nach oben, also zum Lenkrad hin) und das untere Führungslager (gereinigt und gefettet) der Lenkspindel wieder in das Gehäuse einbauen. Den Radialwellendichtring zwischen Dichtlippe und Staublippe mit Fett füllen.

Die Lagerbuchse auf die rechte Seite der Zahnstange schieben, Verzahnung einfetten Kolbenring mit Öl benetzen und vorsichtig in das Gehäuse einschieben

Den Sicherungsring einsetzen und die Zahnstange auf Mitte stellen (gemessenes Maß verwenden).

Die instandgesetzte Lagerbuchse auf die Lenkspindel schieben, die Kolbenringe der Lenkspindel mit Öl benetzen und das Ritzel fetten. Jetzt die Lenkspindel so in das Gehäuse einschieben dass die Markierungen von Spindel und Gehäuse bei Zahnstangenmittelstellung fluchten. Wenn das beim ersten Versuch nicht gleich klappt dann Lenkspindel noch mal ein Stück raus ziehen und etwas verdreht einsetzen. 

Wenn nach erfolgtem Einbau der Lenkspindel nun die Markierungen in Mittelstellung übereinstimmen, den Sicherungsring oben einsetzen, Lenkspindel unten mit neuer selbstsichernde Mutter sichern, Mutter mit 17 Nm anziehen.

Die Plastikschutzkappe oben so auf die Lenkspindel aufstecken, dass deren Markierungsnase bei Mittelstellung mit der angegossenen Gehäusemarkierung fluchtet.

Die Verschlusskappe des Lenkspindelgehäuses unten mit 32 Nm anziehen und durch verstemmen oder mit Schraubensicherung sichern.

Einlegeplatte und O-Ring vom Druckstück der Zahnstange auswechseln, fetten und einsetzen. Die Feder aufstecken und den Deckel mit neuem O-Ring aufsetzen und festschrauben.
Bei der Ausführung mit Stellschraube, das Gummi der Zentrierung erneuern. Nach einsetzen des Druckstückes und der Feder, O-Ring in die Bohrung legen und die Stellschraube nach den zuvor angebrachten Markierungen auf die ermittelte Einschraubtiefe bringen. Die Stellschraube durch verstemmen oder mit Schraubensicherung sichern.
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Neue O-Ringe auf die Druckleitungen aufstecken und die Leitungen montieren.

Die O-Ringe der Leckölleitung auswechseln und Leitung am Gehäuse aufstecken.

Während der ganzen Arbeiten immer auf absolute Sauberkeit achten, denn eingebrachter Schmutz zerstört mit hoher Wahrscheinlichkeit zuerst den Steuerzylinder und später die Servopumpe. So ein Schmutzeintrag lässt sich auch durch mehrfache Ölwechsel nicht wieder zu 100 % entfernen.

Der Einbau erfolgt analog dem Ausbau. Wichtig ist, dass bei der Montage Lenkgetriebe und Lenkrad auf Mitte stehen.

Bei der Montage der Spurstangen, die neuen Sicherungsbleche nicht vergessen. Die Manschetten auf ihrer Innenseite am Befestigungswulst mit Bremsenreiniger säubern, damit sie später trotz Spannband nicht vom Lenkgetriebe abrutschen. Das Anziehdrehmoment der beiden Lenkgetriebebefestigungsschrauben beträgt 42 Nm.

Wenn die Hydraulikschläuche wieder am Lenkgetriebe angebaut sind, kann auch das Servoöl aufgefüllt werden. Es wird ein ATF nach Dexron II verwendet. Auf keinen Fall das alte Öl wieder verwenden. Beim ersten auffüllen den Ölbehälter bis zum Rand füllen und den Deckal aufsetzen. Den Motor für 10 Sekunden ohne zu lenken, laufen lassen. Motor abstellen, warten bis der Schaum im Ölbehälter sich etwas gelegt hat, wieder Öl nachfüllen und das Ganze noch mal. Erst wenn nach dem Abstellen des Motors noch ca. 2 cm Öl im Behälter stehen wieder nachfüllen. Motor erneut starten und einmal von Anschlag zu Anschlag lenken. Den Motor wieder abstellen, warten bis sich der Schaum gesetzt hat und auffüllen bis zur Markierung. Jetzt kann nach erneutem Start mehrmals von Anschlag zu Anschlag gelenkt werden bis die Lenkung sich selbst entlüftet hat und geräuschfrei arbeitet. Zum Schluß nochmal den Ölstand kontrollieren. Fertig.
Da das Lenkgetriebe jetzt nicht nur neu abgedichtet, sondern auch an seinen Hauptbelastungsstellen neu gelagert ist sind bei Verwendung normaler Bereifung (max. 205er) wieder ca. 150000 km drin.

Wenn jemand diese Reparatur nicht selbst ausführen kann, sei es aus Mangel an Werkzeug, Werkstatteinrichtung oder zu geringen eigenen technischen Fähigkeiten, dann bitte eine Email an mich. Ich werde die Anfrage dann weiterleiten an jemanden aus meinem Bekanntenkreis der die Reparatur preiswert ausführt.

Robert           

balmer@arcor.de