| Car-Hifi-Grundlagen: Teil 1 |
(Quelle: Boston Acoustics) |
Der folgende Beitrag wird einige grundsätzliche Hinweise zum Einbau
einer konsequent auf perfekten Klang getrimmten Hifianlage im Auto geben.
Diese Zusammenhänge gelten natürlich nicht nur für den BMW
E30. Dazu ist zu sagen, daß hier die Erfahrungen des Autors wiedergegeben
werden und teilweise andere Meinungen existieren.Vor allen die Printmedien
verbreiten lieber Sensationen, wahrscheinlich um Kaufreiz zu erwecken,
als daß sie ihrer Informationspflicht nachkommen. Worauf es aus meiner
Sicht bei der Konzeption einer audiophilen Car-Hifianlage ankommt, erfahren
sie in dieser Grundlagenreihe.
Für Anregungen und Diskussionen steht die email
Adresse
zu Verfügung. |
| Der erste und wichtigste Schritt:
Wahl
des Frontsystems |
Den wichtigsten Grundstein für spätere klangliche Höhenflüge
legt man durch die Auswahl eines geeigneten Frontsystems. Hier sollten
die persönlichen Hörgewohnheiten analysiert werden. Dynamikfreaks
stellen an die Belastbarkeit und den Maximalpegel hohe Ansprüche.
Dreiwegesysteme mit viel Membranfläche können diese Aufgabe natürlich
besser erfüllen, als kleine aber feine Zweiwegesysteme. Zweiwegesysteme
haben aufgrund einfacherer Frequenzweiche wiederum klangliche Vorteile.
Zwischen diesen Möglichkeiten sollte man sich entscheiden. In den
meisten Fällen ist ein gutes 16 cm Zweiwegesystem die richtige Wahl.
Auch Carhifineulinge sollten sich dafür entscheiden.
16cm Zweiwegesysteme: Leider ist es für
den Laien nicht immer einfach wirklich gute Systeme von 0815-Schrott zu
unterscheiden. Auch Markennamen schützen vor Billigstchassis nicht.
So ist das, was man für 200 DM in großen Elektronikmärkten
(beispielsweise von Sony, Magnat, Infinity Beta) bekommt, wirklich nicht
als Qualität zu bezeichnen. Mickrige Hochtöner mit schrill klingenden
Plastikmembranen und labile Blechkorbe zusammen mit obligatorischem Elko
als Frequenzweiche mögen vielleicht reichen, um zischelnd neben mir
an der Ampel stehend die Passanten zu belästigen. Mit Hifi hat das
nichts zu tun. Dabei ist Qualität nicht unbedingt teurer. Es gibt
in dieser Preisklasse durchaus Schnäppchen. Herausragend dabei das
JBL
SR 170 System mit echt kleinem aber hochwertigem Hochtöner
ein. Weiterhin sehr empfehlenswert sind die
CANTON
Systeme
RS 1, RS2, RS 2.16, alle mit perfektem
Titanhochtöner. Vor allem bei den Auslaufmodellen RS1 und RS2
läßt sich eine Menge Geld sparen. Qualität heißt:
externeWeiche mit MKT Kondensatoren im Hochtonbereich, stabile Körbe
bei den Tiefmitteltönern und vernünftigen Hochtöner.
Beim Durchblättern des Anzeigenteils der autohifi 2/99 sind mir folgende
Angebote aufgefallen:
Canton RS 2.16 neutrales
2-Wege 16,5 cm Euronorm Bass 25mm Hochton (besonders billig
bei HOT DEALS: 07161/72077) 180 DM
Phonocar 02/580 kickbassstarkes 2-Wege
System 16,5 cm Bass (AUTORADIO BLITZ-VERSAND: 05223/99880)
325 DM
JBL SR 170W System lebendiges 2-WegeSystem
16,5 cm Bass (einige Exemplare bei Promarkt (Cottbus))
349 DM |
Highend 13cm /16cm Zweiwegesysteme: Vielleicht
ist der Begriff Highend etwas abgegriffen, gemeint sind damit Systeme die
mit den besten Chassis bestückt sind, die der Markt hergibt und deren
Weiche mit klanglich hochwertigen Bauteilen bestückt sind. Profis
passen die Weiche den Gegebenheiten im konkreten Auto an, oder verwenden
gleich eine Eigene. Das ist im Prinzip nicht so schwierig, wie es immer
dargestellt wird. Auch ohne Meßtechnik läßt sich mit einem
geübten Gehör eine gut abgestimmte 12dB Zweiwegeweiche entwickeln.
Empfehlenswerte Systeme der Highend-Klasse sind
beispielsweise Boston ProSeries 6.5, Dynaudio System
240, Focal 165 KEX, JBL 508 GTI. Selten finden sich solche Lautsprecher
bei den billigen Direktversendern. Die Preise bei einem Fachhändler
liegen zwischen 1000 und 1200 DM. Der Kauf einzelner Chassis und der nachfolgende
Entwurf einer hochwertigen Weiche kann sich für erfahrene Lautsprecherselbstbauer
lohnen.
| Entwurf einer Zweiwegeweiche:
Die nachfolgende Anleitung funktioniert nur mit gutmütigen
Chassis ohne ausgeprägte Resonanzerscheinungen und bei ideal gestalteten
Einbauorten in der Tür oder im Fußraum (Kickpanel). Die akustisch
ungünstige Gestaltung des Autoinnenraums mit vielen glatten Flächen
und störenden Kanten machen eine Abstimmung ohne Meßtechnik
natürlich schwierig, aber nicht unmöglich. Je nach Größe
des Hochtöners und des Tieftöners Übernahmefrequenz festlegen.
Aufgrund des höheren Lautstärke im Auto sind höhere Trennfrequenzen
als im Heimbereich üblich (die fettgedruckten Kombinationen sind zu
bevorzugen):
20 mm Hochtöner und 13 cm Tiefmitteltöner
: 4000 - 5000 Hz
25 mm Hochtöner und 13 cm Tiefmitteltöner :
3000 - 4000 Hz
25 mm Hochtöner und 16 cm Tiefmitteltöner:
3000 - 4000 Hz
20 mm Hochtöner und 16 cm Tiefmitteltöner :
4000 - 5000 Hz |
Mittels PC-Programm oder mit Taschenrechner sind die benötigten
Werte der Bauteile zu berechnen:
Die errechneten Werte der Reihenkapazität im Hochtonbereich
ist etwa zu halbieren, die Reiheninduktivität im Tieftonzweig ist
zu verdoppeln. Dadurch ist eine grobe Entzerrung vorgenommen (ansonsten
zu lauter Mitteltonbereich leicht abgesenkt). Die Weiche wird nun
aufgebaut und das im Auto eingebaute System damit angehört. Die Weiche
sollte noch freizugänglich sein. Durch Variation der Bauteile kann
die Abstimmung modifiziert werden. Meist liegt der Wirkungsgrad des Hochtöners
über dem des Tieftonchassis.Ein Widerstand (2 bis 10 Ohm) vor dem
Hochtonzweig sorgt für eine Anpassung. |
| Dreiwegesysteme: Vorteile haben sie vor allen
in der Kategorie Pegelfestigkeit. Nachteilig sind theoretische Verluste
bei der Räumlichkeit aufgrund der zwei Übernahmefrequenzen mit
ihren Phasenfehlern. Oft läßt sich aber bei Dreiwegesystemen
eine Plazierung der Mitteltöner nahe bei Hochtöner besser realisieren
(aufgrund der geringeren Größe des Mitteltöners).Bei einer
niedrigen Übernahmefrequenz zwischen Mittel und Tieftöner sind
ausserdem nur geringe Abstriche in Sachen Räumlichkeit zu erwarten. |
(Quelle: Boston Acoustics) |
Ein weiterer Vorteil ist die große Membranfläche im Bassbereich.
Damit läßt sich eine niedrige Übernahmefrequenz zum
Subwoofer sicherstellen. Das ist aber wiederum eine wichtige Forderung
um sicherzustellen, daß der Bass im Kofferraum nicht geortet werden
kann. Alles in allem stellen Dreiwegesysteme im Auto die vielleicht bessere
Frontbeschallung, gegenüber hochwertigen 16cm Zweiwegesysteme dar.
Hier muß der persönliche Geschmack entscheiden.
Canton RS 3.22
20cm, 13cm, 25mm 3-Wege-System (bei fast allen Versendern lieferbar)
449-499 DM
Canton RS 5
20cm, 10cm, 25 mm 3-Wege-System, Auslaufmodell ähnlich RS 3.22 (Schaulandt
Berlin)
299 DM
Infinity Kappa CS1 6x9", 10cm,
Bändchen Hochton, exclusiv bestücktes 3-Wege-System (CSS: 0711/182188)
399 DM
Rainbow CS 360 P 16cm
10cm 25 mm 3-Wege Referenzsystem (leider keine genauen Versandpreise,
ca.700 DM) empf. VK 1300 DM |
| Der zweite Schritt: Der perfekte
Einbau |
Stabilität: Große Dreiwegesysteme stellen natürlich
einige Ansprüche an die Stabilität der Tür und deren Verkleidung.
Darum ist es im E30 garnicht mal so schlecht bestellt. Zusätzliche
Stabilität durch Doorboards und dämpfende Matten am Blech sind
nicht nur empfehlenswert sondern Pflicht. Die dem Lautsprecherchassis zugeführte
Energie soll ja schließlich nicht in Bewegungsenergie der Verkleidungsteile
umgewandelt werden, sondern die Luftmoleküle zum Schwingen anregen.
Jedes Klappern bedeutet energetisch gesehen Verlust an Pegel. Für
gleiche Lautstärke muß also in einer klapprigen Tür
der Regler weiter aufgedreht werden. Das stabil eingebaute System
findet deutlich bessere Bedingungen vor. Das hört man sicherlich am
ehesten am deutlich präziseren und druckvolleren Bassbereich. Aber
auch der Hochmitteltonbereich bedankt sich mit gesteigerter Raumabbildung.
Nicht umsonst versuchen die Home-Hifi Freaks mit Spikes eine mögliche
(minimale) Taumelbewegung ihrer Boxen zu unterdrücken. Dieses minimale
Taumeln mag auf den ersten Blick klanglich uninteressant zu sein. Es wirkt
aber wie eine Amplitudenmodulation auf den abgestrahlten Schall des Hochtöners
und führt zu einer Nervösität bei der Wiedergabe.
Plazierung: Neben der Stabilität ist
die richtige Plazierung der Chassis wichtig. Mittel- und Hochtöner
sollten immer dicht zusammen plaziert werden. Das Gehör ist in diesem
Bereich sehr empfindlich und kann bei zu großer Entfernung zwischen
beiden Phantomschallquellen nur schwer oder fehlerhaft orten. Die Musikdarbietung
wirkt sehr zerrissen. Meiner Meinung ist es besser den Hochtöner zu
tief zu montieren, als den Abstand zum Mitteltöner größer
als einige Zentimeter werden zu lassen. Vielfach wird auch die Plazierung
eines Kickpanels im Fußraum empfohlen. Vorteile sind dann eine optimale
Ausrichtung und eine enge Montage der Hoch- und Mitteltöner. Nachteilig
ist natürlich die Gefahr der Beschädigung und die sehr niedrige
Stererobasis. Sinnvoller sind optimal angepaßte Doorboards mit auf
Kopfhöhe ausgerichteten Hoch- und Mitteltönern. Der Hochtöner
kann dann deutlich höher plaziert werden. Das Staging befindet sich
auf Armaturenbretthöhe.
Bündiger Einbau: Um ein Doorboard wirklich
perfekt zu machen, sollten die Chassis versenkt montiert werden.
Ecken und Kanten wirken durch Schallbeugung wie neue Schallquellen
die dem Original zu gemischt werden. Die Frequenz dieses Störschalls
ist vom Abstand zum Chassis abhängig (Abstand = halbe Wellenlänge).
Messungen an verschieden geformten Schallwänden haben den Einfluß
auf den Frequenzgang eindeutig bewiesen.
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